Die Fenster der alten Klosterkirche

Die alte Klosterkirche in Haselünne wurde von den Klarissen, die aus Holland gekommen waren, in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut. Am Fest des hl. Augustinus, dem 29. 8. 1685, brachte man hier zum erstenmal das hl. Meßopfer dar. Aber erst 1730 wurde die Kirche mit allen Feierlichkeiten konsekriert.

Der Kirchenbau sowie die Innenausstattung mit drei Altären und herrlichem Chorgestühl zeigten der Zeit und der Lage entsprechend einen gemäßigten nordischen Barock. Leider ist von all dem nichts erhalten geblieben - ausgenommen das Gebäude und von der Innenausstattung die schön geschwungene Kommunionbank, die heute als Orgelempore zu sehen ist. Die ursprünglichen Fenster hatten eine schlichte Bleiverglasung im Rautenmuster mit farbigen Randecken. Diese Fenster wurden 1904 durch teils figürliche Fenster ersetzt. Nach der Zerstörung aller Fenster im zweiten Weltkrieg haben die Fensteröffnungen nur eine Notverglasung aus getöntem Gußglas erhalten bis zur Neuverglasung 1960 bzw. 1966 nach Entwürfen von Prof. Vinzenz Pieper aus Angelmodde b. Münster i.W.. Die Fenster sind aus echtem Antikglas hergestellt, die Gläser konturiert und gebrannt, mit Seidenglanz mattiert und bleiverglast. Gefertigt wurden die Fenster in den Werkstätten von Otto Peters, Paderborn. Prof. Pieper hat u.a. auch die Fenster in St. Ludgeri, Münster, geschaffen und das große Westfenster im
Kölner Dom, auch mehrere Fenster im Mindener Dom.

Die Fenster im Altarraum.

Die drei Fenster im Altarraum zeigen die himmlische Sphäre.

Das linke Fenster stellt die männlichen, das rechte die weiblichen Heiligen dar, die der Ursulinen-
Convent auf Grund ihrer besonderen Beziehungen zu seinem Orden auswählte. Bei beiden Seitenfenstern heben sich die Figuren von einem schwarzen, flächigen Gitterwerk ab, wodurch die Gestalten zueinander in Beziehung gebracht sind. In der Mitte der oberen Figurenreihe ist der hl. Josef dargestelt und rechts von ihm der hl. Johannes der Täufer als Vertreter des Alten Testamentes. Sein Attribut ist das Lamm, seinen Worten gemäß. „Seht, das Lamm Gottes“, Links vom hl. Josef zeigt sich uns ein jugendlicher Heiliger, der hl. Tarzisius, eine goldene Sakramentsburse in den Händen haltend. In der mittleren Reihe sehen wir drei Bischöfe, erkenntlich durch ihre Bischofsstäbe. Der mittlere ist der hl. Augustinus mit dem brennenden Herzen, seinem Wort entsprechend: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in Dir, o Gott“. Nach seiner Regel für religiöse Frauengemeinschaften leben die Ursulinen. Links vom hl. Augustinus ist Niels Stensen, der 1988 seelig gesprochen wurde, dargestellt, in der Hand das Evangelienbuch und rechts der hl. Ludgerus, ein Kirchenmodell tragend. Beide haben in der hiesigen Gegend missioniert. Das große blaue Mittelfeld hinter der mittleren Figurenreihe schafft wieder die Querverbindung zum nächsten Fenster. In der Mitte der unteren Figurenreihe steht der hl. Karl Borromäus, ein Förderer des Ursulinenordens, links von ihm Don Bosco mit einem Kind. Er wird besonders verehrt als Jugenderzieher. Rechts vom hl. Karl Borromäus der hl. Thomas Morus als Vertreter hl. Familienväter.

Das Mittelfenster im Altarraum wird beherrscht von den Symbolen der heiligsten Dreifaltigkeit. Auf blauem Grund, belebt durch die verschiedenen Blautöne in Hell und Dunkel, spannen sich drei goldene Wolken aus, untereinander leicht variiert durch die sie durchziehenden Bleiruten. Ein schwarzes Band fügt alle fest zusammen. Auf der oberen Wolke streckt sich die Hand Gott-Vaters nach unten hin aus. Sie weist auf das Kreuz Christi getragen von der mittleren Wolke. Die Hand und auch das Kreuz sind weißstrahlend. Auf der dritten Wolke zeigt sich eine herabschwebende weiße Taube, Symbol des hl. Geistes. Unterhalb dieser Dreifaltigkeitssymbole erblicken wir die aus Gold erbaute, heilige Stadt, das „Himmlische Jerusalem“, mit ihren zwölf Toren, alle festgefügt, in der nach Christi Verheißung „viele Wohnungen sind“.


Das rechte Fenster im Altarraum Was einleitend über das gegenüberliegende Fenster gesagt worden ist, gilt auch für dieses Fenster, das die hl. Frauen darstellt. Auch hier befindet sich in der oberen Figurenreihe links eine Gestalt aus dem Alten Testament, die hl. Anna. Es ist eigentlich eine Selbstdarstellung, da Anna die kleine hl. Maria auf dem Arm trägt und diese die in Gold gefasste Heilige Schrift das Wort Gottes hält. Die Mittelfigur, das Ganze beherrschend, zeigt Maria, die Makellose, in blauem Gewand, auf der goldenen Mondsichel stehend. Sie ist die Unbefleckt Empfangene, die „Immaculata conceptio“, der diese Kirche geweiht ist. Maria ist die von Gott auserwählte Mutter seines Sohnes. Das leuchtende Rot, aus dem ihre Hände sich emporheben, ist vom Heiligenschein aufgenommen und deutet auf ihr Erfülltsein von der göttlichen Gnade hin. Als dritte Gestalt steht in dieser Reihe die hl. Klara, deren geistliche Töchter einstmals diese Kirche und das Kloster erbaut haben. Die hl. Klara ist abgebildet mit einem goldenen Ciborium, in dem sie das hl. Sakrament geborgen hat. In der mittleren Reihe sieht man von links zunächst die hl. Ursula mit goldenen Pfeilen in den Händen. Unter ihren Schutz stellte die hl. Angela ihre im Jahre 1535 gegründete geistliche Gemeinschaft. Das Mittelfeld des Fensters zeigt St. Ursulas Gefolgschaft, mit ihr geborgen im
gleichen Schiff. Die rechte Gestalt der mittleren Reihe stellt die hl. Katharina von Alexandrien dar. Die Mitte der unteren Reihe nimmt die hl. Angela ein. Sie reicht das goldene Regelbuch ihren Töchtern.

Geschichte der St. Ursula-Schule

(Marianne Keuter)

„Und wenn es sich gemäß den Zeiten und Bedürfnissen ergeben sollte, etwas neu zu ordnen oder etwas anders zu machen, tut es klug und nach guter Beratung.“ Dieser Satz aus dem letzten Testament Angela Mericis, der Gründerin des Ursulinenordens, der „Compagnia di Sant’ Orsola“ (1539), umfasst wie ein Leitthema auch das Wirken der Ursulinen in Haselünne. Die wechselvolle Geschichte von Kloster und Schule ist eng mit der allgemeinen deutschen und europäischen Geschichte verknüpft und durch Vertreibung und Neuanfang geprägt.

Dem Wirken der Ursulinen in Haselünne ging eine Mädchenschule holländischer Klarissen voraus. Am
16.6.1652 wurden neun Schwestern des Klarissenordens, die nach dem Westfälischen Frieden ihr bisheriges Kloster in Oldenzaal (Holland) hatten verlassen müssen, von dem Bischof von Osnabrück, Franz Wilhelm von Wartenberg, mit Erlaubnis des Landesherrn, des Bischofs von Münster Christoph Bernhard von Galen, in Haselünne eingeführt. Als erste Wohnung wurde ihnen der Schwenkenhof bei
der Pfarrkirche zugewiesen, wo sie bereits ein kleines Pensionat für junge Mädchen, die sog. Kostjuffern“, unterhielten.


Wahrscheinlich schon 1658 begannen sie mit dem Bau eines Klosters in der Neustadt und eröffneten wiederum ein Pensionat, das junge Mädchen v.a. aus Holland, aber auch aus dem emsländischen und münsterschen Adel aufnahm, um sie„zu guten Christen sowie auch zu tugendhaften und fleißigen Hausfrauen“ zu erziehen. So entstand die erste Mädchenbildungsstätte des Emslandes.
Nach Aufhebung des Fürstbistums Münster infolge der Säkularisierung im Jahre 1803 ging das Klarissenkloster in den Besitz des neuen Landesherrn, des Herzogs von Arenberg, über. Den Bittgesuchen der Haselünner Bürger, Kloster und Schule zu erhalten, kam er insofern nach, als er die Klosterschule zu einer„öffentlichen“ machte, d.h. auch ortsansässige junge Mädchen bzw. solche, die bei Verwandten in Kost und Logis waren, konnten an dem Unterricht teilnehmen. Mit Rücksicht auf die jüngeren Mädchen blieb auch die Pfarrmädchenschule, die seit 1658 im alten Beginenhaus an der Kirche existierte, erhalten.
Als das Emsland 1811 unter Napoleon französisch geworden war, mussten die Klarissen nach 140 Jahren 1812 ihr Wirken in Haselünne einstellen. Das Kloster wurde aufgelöst. Die Schwestern fanden z.T. Unterkunft in Haselünner Familien. Doch obwohl schon 1814 die Regierung des Königreichs Hannover den Schwestern die Rückkehr erlaubte, kehrten nur wenige in das Kloster zurück. Die Lehrtätigkeit nahmen sie nicht wieder auf. 1837 kaufte die Armenversorgungskommission der Stadt Haselünne die Klostergebäude von der Königlichen Klosterkammer zu Hannover und richtete in den Nebengebäuden Armenwohnungen ein.


Der Wunsch der Haselünner Bürger nach Ordenslehrerinnen für ihre Mädchenvolksschule und nach der Errichtung einer„Höheren Töchterschule“, um die sie sich schon länger durch ihren Pfarrer Buß bemüht hatten, veranlasste sie zu einer Sammelaktion, um das alte Kloster der Armenversorgungsanstalt
abzukaufen „behufs der Errichtung einer Unterrichts und Erziehungsanstalt unter Leitung der Ursulinen, und zwar allein zu diesem Zwecke.“ Nach umfangreichen Verhandlungen mit dem Ursulinenkonvent
in Dorsten, den Behörden des Königreiches Hannover und dem Weihbischof Lübke aus Osnabrück konnten am 28. Juni 1854, dem Vorabend des Festes Peter und Paul, sechs Schwestern aus dem 1699 gegründeten Ursulinenkloster Dorsten, dem sie weiterhin als Filialkloster angehörten, in das ehemalige Klarissenkloster einziehen. Als „Ausländerinnen“ mussten die Schwestern ihre staatlichen Examina wiederholen und erhielten dann die Genehmigung zum Unterrichten.

Die Ursulinen übernahmen sogleich die Mädchenvolksschule, die entsprechend den Regeln ihres Ordens unentgeltlich geführt wurde. Die beiden dafür bestimmten Schwestern erhielten weder aus Pfarr- noch aus städtischen Mitteln irgendwelche Vergütungen. Daneben richteten die Schwestern eine höhere Unterrichts- und Erziehungsanstalt mit Pensionat ein, die lebhaften Zuspruch fand und von „Töchtern aus der Nähe und weiten Ferne“ besucht wurde. Sie war die einzige dieser Art für Mädchen im gesamten Herzogtum Arenberg.


Das Ansehen der Schule und die Schülerinnenzahlen wuchsen stetig. Die bedeutendste Schülerin jener Zeit war Agnes Morsbach, später Neuhaus, über die an anderer Stelle der Festschrift berichtet wird. Der Kulturkampf setzte der aufblühenden Tätigkeit des Ursulinenkonvents nicht nur in Haselünne ein jähes Ende.„Durch eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen versuchte der preußische Staat seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, jegliche gesellschaftspolitisch relevante Aktivität katholischer Amtsträger zu beschneiden.“ Von besonderer Bedeutung für die Ursulinen war das Schulaufsichtsgesetz von 1872, das die katholischen Privatschulen staatlicher Kontrolle unterwarf. 1873 mussten die Ordensschwestern für immer ihre Tätigkeit in der zweiklassig geführten öffentlichen Mädchenschule aufgeben. Zwei weltliche Lehrerinnen übernahmen den Unterricht, der bis 1892 in denselben, nun von der Stadt gemieteten
Räumen stattfand. 1875 erfolgte schließlich die Auflösung aller kirchlichen Orden mit Ausnahme jener, die sich mit Krankenpflege beschäftigten. Das Kloster und die Töchterschule in Haselünne wurden aufgehoben, der Konvent musste ins Exil gehen. Ein neues Domizil wurde in Holland, in Nymwegen, gefunden. Die Schwestern Aulatrakt des Klosters (im 19. Jh.) hatten das große Glück, das sog. „Kasteel Hallo“, eine neu erbaute herrschaftliche Villa zu günstigen Konditionen zu erwerben. Sie benannten das Haus in „Marienburg“ um. Am 9. 9.1875 traf der Haselünner Konvent mit einem Teil der Pensionärinnen in Nymwegen ein. Mit dem Einzug der Schwestern in Nymwegen erfolgte auch die Loslösung des Konvents vom Mutterkloster in Dorsten und die Erhebung zu einem selbständigen Monasterium durch den Bischof von Herzogenbusch. Der Konvent hatte jetzt eine eigene Oberin (Révérende Mère Bernardine Heins). Die Schwestern versuchten trotz aller Erschwernisse des Neuanfangs, so schnell wie möglich die vorgeschriebenen holländischen Lehrerinnenexamina abzulegen – später auch das Schulleiterinnenexamen,
um den Schul- und Pensionsbetrieb wieder aufnehmen zu können. Johanna Voß, die spätere Schulleiterin Mère Josepha, die als Haselünner Pensionärin den Umzug nach Nymwegen mitgemacht hatte und sich bald zum Eintritt in den Orden entschloss, machte noch vor ihrer Einkleidung das holländische Sprachexamen.
Später erwarb sie auch die Berechtigung zur Schulleitung. Nach kaum zehn Jahren war der Konvent dort auf vierzig Schwestern angewachsen, das Pensionat auf neunzig Kinder. Die Ursulinen wurden als „Frauen von hoher Bildung und großem religiösen Eifer“ von ihrer holländischen Umgebung geschätzt.


Dem Wunsch der Haselünner Bürger nach Rückkehr der Schwestern in ihr altes Kloster entsprach der Konvent in Nymwegen und bestimmte sechs Schwestern für die Niederlassung in Haselünne, wo sie zusammen mit drei Pensionärinnen am 8.11.1888 von Magistrat und Geistlichkeit feierlich empfangen
wurden. Zunächst musste das Klostergebäude wieder hergerichtet werden, was durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Kommerzienrates Riedemann (des sog. „Petroleumkönigs“) auch baldmöglichst in die Tat umgesetzt werden konnte. Bereits am 2. Januar 1889 begann der Unterricht mit
siebzehn Schülerinnen in drei Klassen. Die Schulreformen hatten seit Mitte des 19. Jahrhunderts der
Mädchenbildung wichtige Impulse gegeben und auch die Einrichtung höherer Schulen für Mädchen vorangetrieben, so dass sich zahlreiche Ausbildungszweige für Mädchen ergaben. Wie die Ursulinen insgesamt regen Anteil an dieser Entwicklung nahmen, so auch der Konvent in Haselünne. Als für die Lehrerinnen an höheren Schulen eine Universitätsausbildung verlangt wurde, gehörten Ursulinen zu den ersten Studentinnen. Bereits im Jahr 1900 begannen zwei Ordensschwestern aus Haselünne ihr Studium, bald folgten ihnen weitere. 1904, nach Abschluss ihres Studiums, löste M. Theresia Breme die damalige „Schulvorsteherin“ M. Josepha Voß in ihrem Amt ab. Jene blieb bis 1950 Schulleiterin und führte die
Schule durch die folgende Blütezeit, die schwierige Zeit des Nationalsozialismus bis zum Wiederaufbau in der Nachkriegszeit. Während die Fachlehrerinnen an den Schulen ein Universitätsstudium absolvierten, wurden die übrigen Lehrerinnen in Institutionen der Lehrerinnenausbildung qualifiziert. Die Ursulinenschule
hatte schon 1900 die vorläufige Erlaubnis erhalten, junge Mädchen auf das Lehramt vorzubereiten ein Modell, das die Schwestern in Holland kennen gelernt und bereits in Nymwegen erprobt hatten. Am 5. April 1904 wurde die Lehrerinnenausbildung an der Ursulinenschule per Erlass durch den preußischen Kultusminister offiziell genehmigt als„Einrichtung eines unter Leitung einer weltlichen Lehrperson stehenden privaten pädagogischen Kursus berufsfachmäßiger Vorbereitung junger Mädchen zum Lehramt“. Als leitende„weltliche Lehrperson“ dieses Lehrerinnenseminars stellte sich Dr. Wilhelm Berning, damals Oberlehrer am Gymnasium in Meppen, zur Verfügung. Nach der großen Mädchenschulreform im Jahr 1908 wurde die S t . - U r s u l a - S c h u l e durch Erlass vom 5.4.1909 „als höhere Lehranstalt für die
weibliche Jugend nach den Bestimmungen vom 18.8.1908“ anerkannt. Sie war nun Lyzeum und Oberlyzeum. Aus der eigenen Schülerinnenschar erwuchsen dem Konvent junge Ordensschwestern, die sich für das Studium und die Schule zur Verfügung stellten. 1912 konnte das Haselünner Kloster sogar in Kanada eine Kloster- und Schulgründung vornehmen.


Der neue Weg, der 1916 eingeschlagen wurde, bestand in einem Abiturkurs, einem dreijährigen Kursus zur Vorbereitung auf die realgymnasiale Reifeprüfung; die Reifeprüfung selbst wurde am Realgymnasium in Osnabrück abgelegt. „Die Abiturkurse entwickelten sich zum werbewirksamen Vorzug der Schule. Mädchen und junge Frauen aus anderen Regionen Deutschlands, die nicht selten in ihrer heimischen Ursulinenschule auf diese Möglichkeit hingewiesen worden waren, entschlossen sich zu dem in Haselünne angebotenen Bildungsweg. Zwischen 1919 und 1927 legten 99 Schülerinnen die externe Reifeprüfung ab.“
1924 wurden die Abiturkurse in ein Realgymnasium umgewandelt, das die Abiturprüfung selbst vornehmen konnte. Die St. Ursula-Schule war nun als ein Oberlyzeum reformgymnasialer Bildung eine Vollanstalt. 1927 wurde die erste Reifeprüfung abgehalten. Von zehn Privatschulen für Mädchen in der Provinz Hannover gab es im Jahr 1927 nur an den Ursulinenschulen in Duderstadt und in Haselünne die Möglichkeit, die Reifeprüfung abzulegen. Zwischen 1919 und 1932 verließen insgesamt 155 Abiturientinnen die Schule. Die Ursulinen schöpften offensichtlich die Bildungsmöglichkeiten ihrer Zeit aus und ebneten den Schülerinnen den Weg zu ihren angestrebten Zielen.

„Unter den Haselünner Schwestern waren beeindruckende Persönlichkeiten, die den Unterricht im Zeichensaal mit M. Matthäa Ahaus (um 1928) Anspruch einlösten, ihre Schülerinnen zu eigenständigen, verantwortungsbewußten Menschen zu erziehen.“ So definierte eine Haselünnerin im Rückblick das Erziehungsziel, auf das hin ihr Leben in der Ursulinenschule ausgerichtet gewesen war. Der Religionsunterricht bei M. Theresia Breme, der überragenden Persönlichkeit der Schule, war offenbar so überzeugend und intellektuell anspruchsvoll, dass eine ehemalige Schülerin später sagen konnte: „Mein Denken hat sich weiterentwickelt, aber die Konstanten, die ich in Haselünne erwarb, habe ich nicht verrücken müssen.“ Von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise blieb das Kloster nicht verschont. Trotzdem hielten die Schwestern diejenigen Eltern, die sich außerstande sahen, das Schulgeld für ihre Tochter zu bezahlen, von einer Abmeldung ab. Stattdessen schlugen sie den Eltern vor, den Betrag nach
eigenem Ermessen festzusetzen - eine humanitäre und pädagogische Geste im Interesse der Schülerinnen, die die wirtschaftliche Situation des Klosters aber belastete.

Der positiven schulischen Entwicklung setzte die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten ein jähes Ende. Ordensschulen wurden systematisch bekämpft. Die Zeit von 1933 bis 1945 wurde für die deutschen Ursulinenschulen insgesamt zu einer Gratwanderung zwischen Anpassung, Selbstbehauptung und Widerstand mit dem vorrangigen Ziel, den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten. Als 1938 die Reichsregierung ein Verbot des Privatschulbesuchs für Beamtenkinder erließ, entzog sie den Ursulinen nicht nur in
Haselünne einen Teil ihrer Schülerinnen. Auch jüdische Mädchen durften die Schule nicht mehr besuchen. 1939 wurde durch Reichserlass verfügt, alle Privatschulen in öffentliche Schulen umzuwandeln. Für die Schule in Haselünne bedeutete das den Abbau der ersten Oberstufenklasse.„Schließlich ließ die
zunehmende Bespitzelung das Schlimmste befürchten.“ Auch die Souveränität und das Verhandlungsgeschick der allseits geschätzten Schulleiterin Mater Theresia Breme mit Stadt, Staat und
kirchlichen Behörden konnte die Ursulaschule schließlich nicht vor der Auflösung retten.

„Am 10. Juli 1941 endete die zweite ergebnislose Hausdurchsuchung seitens der Gestapo mit der
Beschlagnahme von Schule und Kloster.“ Die Schwestern mussten binnen 24 Stunden das Haus verlassen und durften nur ihre persönlichen Sachen mitnehmen. Unter großer Anteilnahme der Haselünner Bevölkerung verließen sie die Stadt und fanden Zuflucht in befreundeten Ursulinenklöstern. Kloster und Schule wurden während der nächsten Jahre als nationalpolitische Erziehungsanstalt, die „NPEA Emsland“
(Napola), genutzt. Der Einzug der Nationalsozialisten erfolgte am 21.10.1941, dem St. Ursula-Fest. Teile der wertvollen Klosterbibliothek wurden während dieser Zeit an nationalen Feiertagen demonstrativ auf dem Schulhof verbrannt. Beim Herannahen der Alliierten verließen die Nationalsozialisten in der Karwoche 1945 Kloster und Schule. Als die ersten Schwestern Ende Mai 1945 der Aufforderung des Haselünner Pfarrers Schepers folgten und aus der Klosterfiliale Papenburg nach Haselünne zurückkehrten, fanden sie die Gebäude „von Bomben und Geschossen beschädigt, mehrfach geplündert und mit Evakuierten belegt.“ Erschwerend für den Wiederaufbau erwies sich, dass im Juli noch für die folgenden zwei Jahre polnische Truppen im Schul- und Klostergebäude einquartiert wurden. Den schwierigen äußeren Bedingungen zum Trotz und mit einfachsten Mitteln begann der innere und äußere Wiederaufbau der Ursulinenklöster und Schulen. Da die Wiedereröffnung der Ordensschulen im Osnabrücker Raum durch die Militärregierung
bald genehmigt wurde und die Schulbehörde in Hannover zustimmte, begannen die Haselünner Schwestern
schon im November 1945 in kleinen Behelfsräumen einen Förderunterricht für Freiwillige der Klassen 8 und 9.„Entscheidendes Kennzeichen dieser Zeit war das Provisorische, aber auch die daraus resultierende Eigeninitiative (...). [So] diente ein als Sakristei eingerichtetes Zimmer des alten Internates als Klassenraum; Schulbücher wurden im Verwandten- und Bekanntenkreise zusammengeliehen; Schreibmaterial war schwierig zu beschaffen; ein Füllfederhalter galt als Kostbarkeit; die Öfen wurden mit Torf beheizt, den die Schülerinnen mitbrachten.“ Das Provisorische blieb weiterhin an der Tagesordnung, auch als die Schule Ostern 1946 offiziell mit fünf Klassen, darunter einer Klasse 11, wieder eröffnete. Sobald der Aulatrakt genutzt werden konnte, normalisierte sich das Schulleben recht bald und die Ursulinen knüpften an ihre Schultradition, ihre Schülerinnen in das Laienspiels einzuführen, wieder an. Ostern 1948 legten die ersten elf Schülerinnen die Reifeprüfung ab, die als „Anerkennungsprüfung“ galt, woraufhin die private Ordensschule am 22. März 1948 die staatliche Anerkennung erhielt. Zwei Jahre später übernahm Schwester Suitberta Veltman die Schulleitung und löste damit Mater Theresia Breme nach 50-jähriger Schulleiterinnentätigkeit ab. Im Zuge der Schulreform wurde die St. Ursula-Schule 1956 ein neusprachliches Gymnasium. Die Bildungsexpansion der folgenden Jahre, in der auch die Mädchenbildung einen allgemein höheren Stellenwert erhielt, bedingte eine ständig wachsende Schülerinnenzahl. Daneben führte der Strukturwandel des bisher stark bäuerlich geprägten Emslandes und auch seine verkehrsmäßige
Erschließung zu neuem Bildungsbewusstsein bzw. neuen Bildungsmöglichkeiten. Anstatt im Internat zu leben, konnten nun auch viele Mädchen als Fahrschülerinnen am Unterricht teilnehmen.

Eine neue Blütezeit schien sich aufgrund dieser Faktoren anzubahnen. Der zunehmenden Schülerinnenzahl entsprechend musste die Schule räumlich vergrößert werden.Parallel zu der äußeren Entwicklung der Schule verlief auch der innere Aufbau des Konvents, der endlich nach den Jahren des Exils wieder neue Schwestern aufnehmen konnte. Diese kamen auch, jedoch nicht in der gewünschten Zahl, sodass zunehmend weltliche Lehrkräfte eingestellt werden mussten. Die Reform des Ordenswesens durch das Zweite Vatikanische Konzil brachte auch den Ursulinen als Ordensfrauen einschneidende Veränderungen bis hin zur Aufhebung der traditionellen Standesunterschiede zwischen den horschwestern mit der Anrede „Mater“ und den Laienschwestern. Von nun an wurden alle Ursulinen einheitlich mit „Schwester“ angeredet. Auch die Tracht wurde hinsichtlich einer leichteren Kleidung vereinfacht. ,,Wegweisend für das neue Selbstverständnis der Ursulinen wurde der Grundsatz, dass Ordensleben nicht Weltflucht, sondern
‘Leben mit der Welt in Christus’ bedeuten solle - ein Grundsatz, der eigentlich nicht neu war, sondern an die ursprüngliche Absicht der Gründerin Angela Merici anknüpfte.“ Diese von neuem bewusst gewordene Offenheit zeigte sich auch in der Öffnung des Gymnasiums für Jungen, die dem Wunsch der Haselünner Bevölkerung entsprechend seit dem 1.8.1969 aufgenommen wurden, nachdem die Landesregierung einen Antrag auf Einrichtung eines zweiten Gymnasiums abgelehnt hatte. Aufgrund des drastischen Anstiegs der Schülerzahlen wurde das vorhandene Schulgebäude wiederum zu klein, ein weiterer Ausbau wäre erforderlich gewesen. Jedoch deutete der Ursulinenkonvent die Zeichen der Zeit als Appell, die Schule in andere Hände zu geben und selbst Platz zu machen für neue Wege der Erziehung und Bildung junger Menschen: „In den folgenden drei Jahren wuchs die Schülerzahl auf 374, Lehrermangel, Raumnot, finanzielle Schwierigkeiten, die anstehende Bildungsreform und das Bewußtsein der Verantwortung gegenüber den jungen Menschen veranlaßten den Ursulinenkonvent, sich nach einem neuen Schulträger umzusehen.“
Nach Zustimmung des Niedersächsischen Kultusministers übernahm am 1.8.1972 der damalige Landkreis Meppen die Trägerschaft der St.-Ursula-Schule. Die älteste Mädchenbildungsstätte des Emslandes erhielt nun den Namen „Kreisgymnasium St. Ursula“. Die Zielsetzung lautete: Aufbruch in eine neue Zukunft unter Wahrung der Tradition! Schwester Ursula Lustig und Schwester Agnes Schneider blieben dem neuen
Kreisgymnasium noch weiterhin als Lehrkräfte erhalten. Der Konvent, wiederum einen neuen Aufbruch wagend, widmete sich der Altenpflege in seiner am Paulusweg neu erbauten Klosteranlage.

Text und Bilder:
„Kreisgymnasium St. Ursula Haselünne – Festschrift zum 150- jährigem Bestehen“ (Der Text wurde geringfügig gekürzt.).

 

Zur wechselvollen Geschichte der Klosterkirche
Die Klosterkirche ist ein barockes Baudenkmal. Baumeister der Kirche waren die Brüder Henrich und Nikolaus von Baelen. Dem Bau liegen die damals üblichen Pläne für franziskanische Kloster- und Kirchenbauten des 17. Jahrhundert zugrunde. Sie wurde am 30. April 1730 durch den Pater Bernardinus Tenhaven konsekriert. Kirchenpatronin ist die „Unbefleckte Empfängnis Maria“.
Der Klosterregel entsprechend hatte die Kirche zur Zeit der Klarissen keinen Turm, sondern auf dem Dachfirst nur einen kleinen Dachreiter mit einem goldenen Hahn. Die Kirche erhielt erst 1906 durch die Ursulinen einen Kirchturm. Die dafür notwendigen Arbeiten führten der Baumeister A. Harren, der Dachdeckermeister Karl Borchard aus Lingen und der Kupferschmied Schulte-Cordes durch.


Die wechselvolle Geschichte des Klosters beginnt mit der Herrschaft Napolèons über das Emsland. Der Kaiser der Franzosen ließ 1811 das Kloster und den Konvent der Klarissen auflösen. Nach der erzwungenen Abdankung Napolèons wurde das Emsland 1814 hannoversch. Der König von Hannover gestattete den Nonnen die Rückkehr in ihr Kloster und die Nutznießung des Vermögens; es kam jedoch
kein neuer Konvent zustande. Nachdem die Gebäude lange leer gestanden hatten, erwarb 1837 die Armenversorgungskommission der Stadt Haselünne das Klostergebäude. 1854 kamen Ursulinen aus Dorsten in Westfalen nach Haselünne, um hier eine neue Klosterschule mit Internat einzurichten. Die Armenversorgungskommission schenkte den Ursulinen dafür die Klostergebäude.
Die Entwicklung der „Höheren Töchterschule“ wurde jäh durch den Kulturkampf, also der politischen Auseinandersetzung zwischen der katholischen Kirche und dem Königreich Preußen, unterbrochen. Im Jahre 1875 mussten die Ursulinen ihre Unterrichtstätigkeit einstellen. Kloster und Schule wurden aufgehoben (1875). Der Konvent der Ursulinen ging nach Nymwegen/Holland ins Exil und konnte erst 1888 nach Haselünne zurückkehren und den Unterrichtsbetrieb wieder aufnehmen.
45 Jahre konnten die Schwestern der Ursulinen ihrer segensreichen Tätigkeit auf dem Gebiet der Mädchenbildung ausüben. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 änderte sich dieser Zustand abrupt. Kirche und religiöse Bildung waren den brauen Machthabern ein Dorn im Auge, wurde doch dadurch die Jugend zumindest teilweise dem Einfluss der NSIdeologie entzogen.

Nationalpolitische Erziehungsanstalten (NPEA), im Volksmund aber Napola genannt, sollten
nicht nur den politischen Nachwuchs heranbilden, sondern auch weltanschaulich ausrichten. Napolas waren
staatliche Schulen, die mit dem Zeugnis der Hochschulreife abschlossen. Die Schüler, „Jungmannen“ genannt, waren uniformiert, es gab einen strengen militärischen Drill, gegenüber Vorgesetzten wurde absoluter Gehorsam gefordert. Der Glaube an den „Führer“ und an die Volksgemeinschaft war oberstes Erziehungsziel. Oft zitierte Sprüche lauteten „Glauben – gehorchen – kämpfen“ der „Gelobt sei, was hart macht“ oder „Du bist nichts, dein Volk ist alles“. Nach den Vorstellungen des Reichsministers für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung sollte in jedem Land des Reiches mindestens eine NPEA entstehen.
Im Jahre 1940 werden erste konkrete Planungen einer NPEA im Gau Weser-Ems, zu dem damals auch Haselünne gehörte, aktenkundig. Der Minister für Schulen und Kirchen des Landes Oldenburg und die NSDAP suchen nach einem Standort. Ziel des Ministeriums scheint es gewesen zu sein, gerade in kirchlich orientierten Gebieten, wie zum Beispiel im Emsland oder im Oldenburger Münsterland solche Schulen zu errichten, um hier der nationalsozialistischen Ideologie zum Durchbruch zu verhelfen.


Am 9. Juli 1941 besetzt die Geheime Staatspolizei Osnabrück das Ursulinenkloster in Haselünne. Den Ursulinen wurden staatsfeindliche Handlungen vorgeworfen. Das Kloster wurde mit dem gesamten Vermögen beschlagnahmt. Die Schwestern des Ordens mussten innerhalb von 24 Stunden Haselünne verlassen und durften sich der Stadt nicht näher als in einem Umkreis von 100 Kilometern nähern. Die Betroffenheit über diesen „Klostersturm“ und das Mitgefühl mit den Schwestern in der Bevölkerung waren groß. Mit der Beschlagnahme des Klosters in Haselünne war der Weg für die Gründung einer NPEA in Haselünne frei geworden. Die NPEA Ilfeld/Südharz, gegründet 1934, wurde als „Mutter-Anstalt“ für Haselünne bestimmt. Diese Anstalt sollte Lehrer und eine Anzahl älterer Schüler in die neue Anstalt einbringen. Nominell unterstand die Napola „Emsland“ in Haselünne der Schule in Ilfeld. Der Studienrat und Hundertschaftsführer Derk de Haan wurde als Stellvertreter des Anstaltsleiters der NPEA Ilfeld mit dem Aufbau der neuen Anstalt in Haselünne betraut. Diesen Organisationsstatus behielt die Einrichtung in Haselünne bis 1945. Offiziell war die NPEA Emsland auch 1944 noch im Aufbau begriffen und somit keine völlig selbständige Anstalt. Am 17. Oktober 1941 zogen drei Erzieher und 37 Schüler aus der NPEA Ilfeld als „Arbeitsmänner“ in das ehemalige Kloster in Haselünne ein. Einer der Schüler schrieb
darüber. „Mit dröhnendem Marschgesang marschierten wir in Haselünne ein, bereit, jeden Angreifer anzunehmen, aber nichts Feindliches zeigt sich. So nahmen wir das ehemalige Ursulinenkloster im Sturm.“
Das Spannungsverhältnis zwischen der Bevölkerung und den Haselünner Schülern war aber da und blieb auch bis Kriegsende bestehen.

Der Zeichner und Graphiker Horst Janssen, der von 1942 bis 1945 auf der NPEA Emsland als Jungmann war, schildert beispielsweise in seinem autobiographischen Roman „Johannes“, wie feindselig Bewohner von Haselünne den Jungmannen begegneten. Sie hätten dem Regime und der Napola nie verziehen,
dass die Ursulinen von den Nazis aus dem Kloster vertrieben worden waren. Schulhaus mit Überbau
Im Februar-März 1942 fand die erste Aufnahmeprüfung statt. „Musterungsgebiete“ waren die Länder Bremen, Oldenburg und der Regierungsbezirk Osnabrück. 350 Jungen aus den vierten Klassen der Volksschulen bewarben sich, 48 wurden für den ersten Zug angenommen und am 23. April 1942 eingeschult. Ende Mai 1942 wurde der 2. Zug aus Schülern der damaligen Mittelschulen geprüft und zum 1. September 1942 „einberufen“. 1943 wurde ein weiterer Zug mit 45 Schülern gebildet. Im
Schuljahr 1943/1944 befanden sich drei Anfangszüge von 1 bis 3 und ein Zug älterer Schüler aus Ilfeld in der Anstalt. Im Januar 1944 hatte die Anstalt 122 Jungmannen, 5 verheiratete Studienräte mit Familie, 1 verheirateten Hausmeister und ungefähr 18 Personen Wirtschaftspersonal (Hausmutter, Küchen- und Hausmädchen, Wirtschaftsleiterin usw.).

Am 16. Juli 1943 stellte der Bischof von Osnabrück, Dr. Wilhelm Berning, an das Reich den Antrag, die zusammen mit dem Kloster beschlagnahmte Klosterkirche wieder der Kirchengemeinde Haselünne zurückzugeben, da sie zu Unrecht einvernommen sei. Sie gehöre nicht dem Kloster, sondern der örtlichen Kirchengemeinde. Dies sei auch bei der Säkularisierung im 19. Jahrhundert von Hannover so gehandhabt worden. Er berief sich auch auf das „Gesetz über die Gewährung von Entschädigungen“ aus dem Jahre 1937. Der Reichsfinanzminister, der das beschlagnahmte Eigentum verwaltete, sprach sich für den Antrag des Bischofs aus, finanzielle und politische Gründe sprächen dafür. Die Partei und die NPEA waren
dagegen. Die Schulleitung wollte in die Klosterkirche eine Decke einziehen und unten Waschräume, oben einen Schlafraum einrichten. Der Antrag des Bischofs wurde abschlägig beschieden. Der von der Schulleitung geplante und beschlossene Umbau wurde u. a. auch deshalb nicht realisiert, weil die Handwerker aus Haselünne sich weigerten, die notwendigen Arbeiten durchzuführen. Nachdem im März/April 1945 die alliierten Truppen rasch nach Osten vorgestoßen waren, wurden die Schüler der
NPEA Ende April von Haselünne aus nach Schleswig-Holstein evakuiert, wobei auch viele von ihnen zu ihren Eltern geschickt wurden.

Nach der Besetzung von Haselünne durch englische und polnische Truppen wurden die Gebäude des Klosters für etwa zwei Jahre von den polnischen Truppen als Quartier genutzt. Danach wurde das Kloster wieder von den Ursulinen als Schule eingerichtet. Im Jahre 1972 übernahm der Landkreis Emsland die Schule und führt sie seitdem als Kreisgymnasium St. Ursula weiter. Um Erhalt und Pflege der Kirche kümmert sich heute in Zusammenarbeit mit Schule, Stadt und Kreis insbesondere der „Verein der Freunde und Förderer der Alten Haselünner Klosterkirche“. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen.